LMU Klinikum München Hormon- und Kinderwunschzentrum
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Verzichten Paare wegen Kosten auf künstliche Befruchtung?

Ärzte Zeitung, 06.05.2010

Die Zahl künstlicher Befruchtungen ist deutlich gesunken. Reproduktionsmediziner sehen im Gesundheitsmodernisierungsgesetz von 2004 eine Ursache: Paare mit Kinderwunsch müssen seither mehr selbst zahlen.

Von Petra Eiden

BERLIN. Die Zahl der jährlichen Follikelpunktionen im Rahmen einer In-vitro-Fertilisation (IvF) oder einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) ist seit 2004 viel geringer als in den Jahren davor. Als Ursache wird die hohe Kostenbeteiligung von Paaren mit Kinderwunsch an der Behandlung infolge des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes (GMG) diskutiert.

Von Anfang der 80er Jahre bis 1992 war die Zahl der Follikelpunktionen im Zusammenhang mit IvF oder ICSI auf insgesamt etwa 15 000 pro Jahr gestiegen. Und 2003 war mit rund 80 000 Punktionen pro Jahr der Höhepunkt erreicht. Im Jahr danach kam dann der große Knick: Die Zahl der Behandlungen halbierte sich auf etwa 35 000 pro Jahr. Seither stagnieren die IvF-bedingten Follikelpunktionen mit 10 000 pro Jahr, und die ICSI-bedingten sind von etwa 25 000 im Jahre 2004 auf knapp 35 000 im Jahre 2008 leicht gestiegen. Das berichtete Professor Christian Thaler von der LMU München auf einer Pressekonferenz von Essex Pharma in Berlin.

Der Gynäkologe führt den dramatischen Abfall der Follikelpunktionen auf das Gesundheitsmodernisierungsgesetz von 2004 zurück. Denn laut § 27a SGB V übernehmen die Gesetzlichen Krankenkassen bei einer IvF/ICSI-Therapie nur noch 50 Prozent der Kosten für die ärztliche Leistung und die notwendigen Medikamente - und das nur für bis zu drei Behandlungszyklen. Die übrigen Kosten, die sich pro Zyklus auf etwa 1500 Euro belaufen, muss das Paar mit Kinderwunsch selbst tragen. Eine weitere Einschränkung: Das Alter der Frau muss zwischen 25 und 40 und das Alter des Mannes zwischen 25 und 50 Jahre liegen, um eine Kostenerstattung zu erhalten.

Nach Angaben von Thaler war der Rückgang der Follikelpunktionen in Bundesländern mit höherem Durchschnittseinkommen wie Baden-Württemberg und Bayern weniger ausgeprägt, sodass er finanzielle Ursachen sieht. Den leichten Anstieg der ICSI-Behandlungen führt der Münchner Experte darauf zurück, dass unter diesen erschwerten Bedingungen der Erfolg der Fertilisation durch eine intrazytoplasmatische Injektion der Spermien möglichst sichergestellt werden soll. "Ich finde es gelinde gesagt unredlich, dass wir als relativ wohlhabendes Land junge Paare so in eine finanziell prekäre Situation bringen", kritisierte Thaler. Er forderte daher - auch vor dem Hintergrund der Überalterung der Gesellschaft - eine entsprechende Gesetzesänderung.

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